Das Gleichgewicht der Welt

Von Rohinton Mistry

Indien ist ein mystisches Land, für uns Europäer nicht ganz durchschaubar. Mit seinen Kasten und Religionen. Als Europäer träumt man von verwunschenen Orten und interessanten Gottheiten. Das echte Leben dort kann sich unsereins kaum vorstellen...
Für mich eins der besten Bücher die ich gelesen habe:

Indien 1975.
Dina ist Witwe und hat noch ein Zimmer frei, das sie an Maneck einen jungen gut situierten Studenten vermietet, der aus dem Himalaya stammt und in Bombay studieren möchte. Dina, die schon immer sehr eigensinnig war, verdient ihr Geld indem sie Kleider für eine Exportfima näht. Als ihr Augenlicht schlechter wird, stellt sie zwei Schneider ein. Ishvar, der ruhige ausgeglichene ältere Mann und Omprakasch der stets auf Konfrontation gebürstete Neffe, die aus einem Dorf von Bombay weit entfernt stammen. Sie gehörten einer niederen Kaste an. Der Vater von Ishvar sorgte dafür, das Seine Söhne eine Schneiderausbildung bei einem Moslem erhielten und somit aus dem System ausbrechen konnten. Diese Vier erleben eine gemeinsame Zeit in einem Indien das im Ausnahmezustand steckt. Es werden Slums mit den Planierraupen dem Erdboden gleich gemacht, was dazu führt, das mehr Menschen irgendwo in der Stadt einfach auf den Gehsteigen schlafen. Die Menschen werden zu Familienplanungszentren gefahren um dort zu Sterilisationen überredet zu werden. Es gibt Korruption und Ungerechtigkeiten. Mord und Raub sind an der Tagesordnung.

Mit seinen blumigen Worten, seiner ganz wunderbar mitreißenden Art zu schreiben, macht Rohinton Mistry es uns leicht das Buch empört und zugleich mit einem schmunzeln zu verschlingen.

Rohinton Mistry zeigt uns ein Indien der Siebziger Jahre. Indien im Aufstand und Unterdrückung.  Er zeigt das wirkliche, schwierige Leben der einzelnen. Die Charaktere denen wir folgen, haben ein nicht leichtes Leben. Ihre Geschichten sind miteinander verstrickt. So werden wir von einer Erzählung in die nächste geführt. Wir treffen auf spannende Charaktere die uns ihre Geschichten erzählen: Den kleinen Bettler, der als Baby schon so verstümmelt wurde, so das er nur herum getragen werden konnte und später mit dem Rollbrett bettelte. Oder den Haarsammler, der immer wieder die Geschichte unserer Hauptfiguren kreuzt. Wir treffen auf Ungerechtigkeiten, die uns den Atem rauben, während der alte Schneider nur mit den Schultern zuckt und daran glaubt das alles einen Sinn hat. Immer auf der Suche nach dem Gleichgewicht der Welt.

R. Mistry verzaubert und erklärt die Welt in der er groß geworden ist und studiert hat. Ein Indien, wie wir es uns kaum vorstellen können. In einer Zeit als Indira Ghandi versuchte eine Demokratie in ihrem Land aufzubauen.


Roman
E-Book
Aus dem Amerikanischen von Matthias Müller
ISBN: 978-3-10-402892-7



Das ist mein Buch des Monats Januar
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Kommentare:

  1. Liebe Andrea,
    ein sicher anspruchsvolles Buch mit einem interessanten Thema.
    Inden ist für mich sowieso ein Land mit sieben Sigeln...geheimnisvoll und märchenhaft, aber zugleich auch so undurchschaubar und ein Moloch.
    Danke Dir fürs Vorstellen und Verlinken, ganz liebe Grüße
    Nicole

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  2. Wow! Das hört sich wirklich gut an! Solche Bücher sind wichtig zum Verständnis. Grade momentan ist Verstehen von anderen Kulturen oder zumindest das Bemühen darum sehr wichtig.
    Liebe Grüße,
    Alice

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  3. Hallo Andrea,
    danke für diesen wunderbaren Buchtipp! Für mich war Indien schon mal ein Jahr lang Realität und wenn ich so etwas lese, kommt die ganze Erinnerung an das Leid und Elend wieder hoch....ich habe vieles nicht verstanden, als ich dort war. Gerade deshalb interessieren mich solche Bücher sehr. Ich sehe gerade, du hast sogar 5 Sterne vergeben.
    LG Sigrun

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  4. Dieses Buch hatte mich sehr beeindruckt.
    Diese Schicksalsergebenheit mancher Inder habe ich dadurch zum ersten Mal verstanden.

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Wie habe ich erst kürzlich auf einem anderen Blog gelesen: "sie sind das Salz in der Suppe!"