Der goldene Sohn

Im Westen Indiens, in einem kleinen Dorf, wächst Anil als das Älteste, von fünf Kindern auf. Er wird in der Schule wegen seines Stottern gehänselt und hat keine Freunde. Nur ein Mädchen, aus der ärmeren Nachbarschaft, Leena, hält zu ihm. Anil lernt schnell und ist intelligent. Er hilft Leena in der Schule besser mitzukommen. Die beiden Kinder verbindet eine besondere Freundschaft. Nachdem Anil die Schule beendet hat, darf er Medizin studieren und als Assistenzarzt nach Dallas, in Amerika. Er arbeitet dort sehr hart und versucht sich in das fremde Leben einzugliedern.

Leena, wird von ihren Eltern, der Sitte nach, mit einem Mann verheiratet, der eine beträchtliche Mitgift für die Hochzeit erhält. So hat sich Leena ihr Leben nicht vorgestellt, denn sie muss schwer im Haushalt ihres Mannes arbeiten und erfährt nur Ungerechtigkeiten und niemals Lob. Als es zu erheblichen Handgreiflichkeiten kommt, läuft sie weg....

Indien ist ein Land voller Brauchtümer. Alte Sitten bestimmen nach wie vor das Leben dort. Anli und Leena stecken in diesen Riten fest und nur weil Anil nach Amerika ging, kann er sich daraus befreien, ist aber weder hier noch dort zu Hause. Der Vater hat ihn zum Schiedsmann seines Dorfes bestimmt, eine Aufgabe die der junge gestresste Arzt sich gerne widmen möchte. Außerdem möchte er ein guter Arzt werden und arbeitet Tag und Nacht. Er hat es nicht leicht, sich in dem riesigen Krankenhaus in Dallas durchzusetzen und weiter zu kommen.

Leena möchte es ihren Eltern recht machen und gibt sich große Mühe in dieser verzwickten Ehe. Auch sie ist zwischen ihrem eigenen Wohlergehen und dem Leben, das sich die Eltern für sie vorgestellt und arrangiert haben, zerrissen. Sie möchte eine gute Tochter sein und den Eltern keine Schande machen.

Shilpi Somaya Gowda wechselt in ihrer Geschichte immer wieder zwischen dem Leben Leenas und Anils hin und her. Ich habe dieses Buch verschlungen und konnte es kaum aus der Hand legen. Es ist flott geschrieben und langweilige Szenen habe ich keine gefunden. Ab und zu, fand ich die Situationen etwas überzogen. Und das Ende kam ziemlich abrupt. Sie beschreibt die Situationen der Protagonisten neutral und lässt Raum zum nachdenken, den man auch unbedingt braucht.



Seite 203: …”Ich habe mir solche Mühe gegeben...und trotzdem… Ich habe alle enttäuscht. Meine Eltern, meinen Mann, meine Schwiegereltern. Ich kann doch nie wieder mein Gesicht zeigen. Was sollen die Leute von mir denken?” …


Indien ist vielfältig in seinen Bräuchen, Menschen und Regionen. Gelernt habe ich, dass in Gujarat, wo diese Geschichte spielt, nur vegetarisch gegessen wird (große Ausnahme ist Huhn), wie man einen guten Chai kocht und welche Gepflogenheiten gewahrt werden, wenn der Schiedsmann die Streitigkeiten der Dorfgemeinschaft schlichtet. Anils Leben in Amerika macht deutlich, unter welchem Druck dort die angehenden Ärzte stehen. Und, dass Amerika nicht unbedingt besser als Indien ist.

Der Goldene Sohn, ist das zweite Buch, das Shilpi Somaya Gowda geschrieben hat. Ihr Erstes war “Geheime Tochter”. Ebenfalls ein Roman, der zwischen Indien und Amerika spielt. Dieser Roman war schon ein Erfolg und wurde in 20 Sprachen übersetzt. Ich zweifle nicht, dass “Der goldene Sohn” ebenso ein Erfolg wird.


Verlag : Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 9783462047745

Verlinkt mit Nicoles Buch und mehr

Kommentare:

  1. Liebe Andrea,
    ich liebe solche Geschichten, wo man auch etwas über fremde Kulturen und das Leben in fremden Ländern lernt! Kennst du eigentlich das Buch "Brick Lane" von Monica Ali? Es handelt von Menschen aus Bangladesh die nach England auswandern. Auch sehr bewegend!
    Wie ich sehe, hast du in deiner Sidebar noch "Altes Land", das kann ich dir nur ans Herz legen, denn für mich war dieses Buch eines der Highlights von 2015.
    Ganz liebe Grüße
    Gros bisou
    Sandra

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  2. Liebe Andrea,
    ich liebe solche Geschichten, wo man auch etwas über fremde Kulturen und das Leben in fremden Ländern lernt! Kennst du eigentlich das Buch "Brick Lane" von Monica Ali? Es handelt von Menschen aus Bangladesh die nach England auswandern. Auch sehr bewegend!
    Wie ich sehe, hast du in deiner Sidebar noch "Altes Land", das kann ich dir nur ans Herz legen, denn für mich war dieses Buch eines der Highlights von 2015.
    Ganz liebe Grüße
    Gros bisou
    Sandra

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  3. Liebe Andrea,
    ich finde Indien ein ganz wunderbares Land, gerne möchte ich mal dorthin.
    Und bei Deinem Buch steigt das Fernweh wieder ein bisschen.
    Es kommt auf jeden Fall auf die Liste.
    Dir einen schönen Abend und danke fürs Verlinken, Nicole

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Wie habe ich erst kürzlich auf einem anderen Blog gelesen: "sie sind das Salz in der Suppe!"